{"id":394,"date":"2026-05-20T12:08:09","date_gmt":"2026-05-20T10:08:09","guid":{"rendered":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/?page_id=394"},"modified":"2026-05-20T12:08:09","modified_gmt":"2026-05-20T10:08:09","slug":"we-dont-talk-about-problems-only-challenges","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/?page_id=394","title":{"rendered":"\u201eWe don\u2018t talk about problems, only challenges\u201d"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-larger-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Inszenierung der slowenischen Minderheit in Ungarn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-primary-color has-background-background-color has-text-color has-background has-normal-font-size\" style=\"text-transform:none\">by Hannah Novak<\/h1>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-background-background-color has-background has-small-font-size\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-group alignwide\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Juli 2024 nahm ich an einem zweiw\u00f6chigen Seminar teil, bei dem ich die Gelegenheit hatte, mich wiederholt mit einer Angeh\u00f6rigen der slowenischen Minderheit in Ungarn auszutauschen. W\u00e4hrend die Gespr\u00e4chspartnerin aus dem Seminar selbst wenig Interesse an politischen Themen zeigte, \u00e4u\u00dferte sie deutliche Frustration \u00fcber die Repr\u00e4sentation ihrer Gemeinschaft in Szentgotth\u00e1rd, dem zentralen Ort der slowenischen Minderheit in Ungarn. Aus den Gespr\u00e4chen ging hervor, dass die slowenische Minderheit in Ungarn mit zahlreichen H\u00fcrden konfrontiert ist: Die Nutzung der slowenischen Sprache ist stark eingeschr\u00e4nkt, und eine qualitativ hochwertige slowenische bzw. zweisprachige Bildung ist nur bis zu einer gewissen Schulstufe zug\u00e4nglich. Zudem wird innerhalb der Gemeinschaft immer seltener Slowenisch gesprochen, was die kulturelle und sprachliche Kontinuit\u00e4t weiter gef\u00e4hrdet. Diese Eindr\u00fccke erg\u00e4nzten die fr\u00fcheren Beobachtungen, die ich Ende 2023 w\u00e4hrend einer Exkursion nach Szentgotth\u00e1rd im Rahmen eines Seminars rund um die Grenze zwischen Ungarn und Slowenien sammelte, wobei Andrea Kovacs, die Vorsitzende des Verbands der Slowenen in Ungarn, ein differenziertes und teilweise umstrittenes Bild der ethnischen Minderheit zeichnete.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201ePomembno je, da si mladi zavedajo svoje kulturne identitete in da postanejo ponosni. Ponosni, da so Slovenci!\u201c<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8220;Es ist wichtig, dass sich die jungen Menschen ihrer kulturellen Identit\u00e4t bewusst sind und stolz darauf sein k\u00f6nnen. Stolz darauf, Slowene zu sein!&#8221;<\/em>&nbsp;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Andrea Kovacs)<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die junge Angeh\u00f6rige \u00fcber die H\u00fcrden der Minderheit erz\u00e4hlte, gilt f\u00fcr Andrea Kovasc, Vorsitzende des Verbandes der Slowenen in Ungarn: <em>\u201eWe don\u2018t talk about problems, only challenges<\/em>\u201d. Da es nur begrenzte Literatur zur Geschichte dieser Minderheit gibt, basieren die folgenden Abschnitte vor allem auf den Informationen, die uns w\u00e4hrend der Exkursion vermittelt wurden. Die anschlie\u00dfenden Ausf\u00fchrungen greifen ihre Darstellungen auf und regen gleichzeitig zu einer kritischen Reflexion ihrer Aussagen an.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die slowenische Minderheit in Ungarn ist die kleinste slowenisch-sprachige Volksgruppe au\u00dferhalb der slowenischen Staatsgrenze. Seit dem 6. Jahrhundert leben slowenisch sprechende Menschen in dieser Region, und die Entstehung dieser Volksgruppe ist eng mit den historischen Ver\u00e4nderungen der Grenzsetzungen verbunden. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die territorialen Grenzen mehrfach neu definiert, was dazu f\u00fchrte, dass eine urspr\u00fcnglich homogene slowenische Bev\u00f6lkerung in das Gebiet des heutigen Ungarns eingegliedert wurde. Diese politische Grenzverschiebungen trugen zur Bildung einer stabilen slowenischen Gemeinschaft in Ungarn bei, die trotz ihrer geringen Gr\u00f6\u00dfe bis heute besteht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Minderheitenorganisationen spielen eine essenzielle Rolle: Bei uns in K\u00e4rnten Koro\u0161ka gibt es einige Institutionen, die der ans\u00e4ssigen slowenisch sprachige Minderheit, zu der ich selbst geh\u00f6re, eine vielf\u00e4ltige Infrastruktur bieten. In Ungarn konzentriert sich diese Infrastruktur im Geb\u00e4ude des Hotels Lipa.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">HOTEL LIPA<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Hotel LIPA, in Szentgotth\u00e1rd, ist der Informations- und Kulturmittelpunkt der Region Porabje (Raabgebiet\/ Vendvid\u00e9k) bzw. der slowenischen Minderheit in Ungarn.&nbsp; Im Geb\u00e4ude befindet sich neben dem Hotel und einigen Seminarr\u00e4umen der Sitz des Verbands der Slowenen in Ungarn (Zveza Slovencev na Mad\u017earskem) sowie zwei weitere slownische Organisationen: die Redaktion der Zeitung Porabje und das Radio Mono\u0161ter, die wir w\u00e4hrend unseres Besuches kennenlernten konnten.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">\u010casopis Porabje&nbsp;<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeitung Porabje, die seit Februar 1991 einmal w\u00f6chentlich erscheint, ist die einzige Zeitung in Ungarn, die Angeh\u00f6rige der slowenischen Minderheit in Ungarn in ihrer Muttersprache informiert. Porabje wird durch die Arbeit von 10 Autor:innen, teilweise auch aus Slowenien (Region Prekmurje), gestaltet, die auf Honorarbasis bezahlt werden. Das Blatt ist bereits 650-mal erschienen und wurde 450-mal abonniert, wobei das Abonnement nicht kostenlos ist. Die Zeitung beinhaltet eine Rubrik, in der pers\u00f6nliche Lebensgeschichten geteilt werden, sowie eine Rubrik mit dem Titel \u201eYoung Porabje\u201c. Gedruckt wird Porabje in Slowenien (Murska Sobota), von wo aus das Blatt nach Ungarn, aber auch in andere L\u00e4nder, wie Argentinien, Slowenien, \u00d6sterreich oder die USA verschickt wird. In jeder Ortschaft des Raabgebietes gibt es eine Kontaktperson, welche die Zeitungen erh\u00e4lt und sie an die Abonnent:innen verteilt. Zus\u00e4tzlich zur gedruckten Edition ist es ebenso m\u00f6glich, die Zeitung online zu lesen. Der Redaktion Porabje ist es ein gro\u00dfes Anliegen, den Online-Anteil ihrer Zeitschrift interaktiver zu gestalten, zum Beispiel durch Pr\u00e4senz auf den sozialen Medien, um insbesondere Jugendliche zu erreichen. Daf\u00fcr w\u00e4ren jedoch, laut Redaktion, gr\u00f6\u00dfere finanzielle Ressourcen notwendig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fokus von Porabje liegt klar auf der Erhaltung nicht nur der slowenischen Sprache, sondern besonders auch auf dem Festhalten ihres Dialekts. Deswegen wird der Inhalt der Zeitschrift nicht ausschlie\u00dflich in slowenischer Schriftsprache, sondern auch im \u00f6rtlichen Dialekt verfasst. Welche Artikel in Schriftsprache oder im Dialekt ver\u00f6ffentlicht werden, h\u00e4ngt von den Autor:innen selbst ab. Dabei ist zu beachten, dass Aufs\u00e4tze im Dialekt nicht in die Schriftsprache \u00fcbersetzt werden, wodurch die Leserschaft dieser Texte eingeschr\u00e4nkt bleibt. Die Zeitschrift wird n\u00e4mlich auch au\u00dferhalb des Raabgebiets gelesen, und manche Leser:innen sind m\u00f6glicherweise nicht des Dialekts m\u00e4chtig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Radio Mono\u0161ter&nbsp;&nbsp;<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color wp-block-paragraph\">Das Radio Mono\u0161ter sendet t\u00e4glich zwischen 12 und 16 Uhr und besteht aus vier Jounalist.innen und einem Manager. Finanziert wird das Radio zu 40% von der slownischen Regierung (Au\u00dfenminsterium) und zu 60% von der ungarischen Regierung. Eine Besonderheit des Radios ist, dass die Sendungen im Dialekt ausgestrahlt werden. Die im Radio gespielte Musik besteht gr\u00f6\u00dftenteils aus slowenischer traditioneller Volksmusik Musik, w\u00e4hrend modernere Lieder in slowenischer Sprache bisher kaum eine Rolle spielen. Auf dem Logo des Radios ist ein Huhn zu sehen, welches Slowenien repr\u00e4sentieren soll, da die Umrisse von Slowenien auf einer Karte wie ein Huhn aussehen. In der Redaktion waren auch einige Huhn-Accessoires zu sehen. Nach Michael Billigs Konzept des <em>banalen Nationalismus <\/em>st\u00e4rkt die subtile, allt\u00e4gliche Verwendung von Symbolen das nationale Bewusstsein. Das Huhn als Logo und die Huhn-Accessoires in der Redaktion sind Beispiele f\u00fcr diese unauff\u00e4llige Form des Nationalismus. Sie wirken nicht \u00fcbertrieben, sondern allt\u00e4glich und normal, halten jedoch die nationale Identit\u00e4t st\u00e4ndig pr\u00e4sent. Dadurch wird, laut Billig, das Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl zur Nation unbewusst gefestigt, ohne dass es als expliziter Nationalismus wahrgenommen wird. Demnach ist ein sehr starkes Streben nach dem &#8220;traditionellen Slowenischen&#8221; sp\u00fcrbar.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color wp-block-paragraph\">Auf der Exkursion begleitete uns auch eine Gruppe Studierender aus Ljubljana, Slowenien, die Kritik daran \u00e4u\u00dferte, dass das Radio nicht mit der Zeit geht und keine Plattform f\u00fcr moderne slowenische Musik oder junge K\u00fcnstler:innen bietet. Das ausschlie\u00dfliche Spielen traditioneller slowenischer Musik vermittelt ein starkes Narrativ der slowenischen Identit\u00e4t, das an traditionellen Elementen festh\u00e4lt, w\u00e4hrend moderne Entwicklungen kaum Ber\u00fccksichtigung finden. Um das Bestehen des Radios zu garantieren w\u00e4re es empfehlenswert neuzeitliche Musik zu spielen, um die H\u00f6rerschaft auch auf die Jugend zu erweitern. Die Betonung auf traditionelle Musik im Radioprogramm zeigt eine starke Orientierung an kulturellen Traditionen, w\u00e4hrend die begrenzte Integration von aktuell produzierter slowenischsprachiger Musik auf eine fehlende Vielfalt hinweist, die das moderne musikalische Schaffen des Landes vernachl\u00e4ssigt. Dadurch wird hier, passend zu dem Bild, das in der Redaktion der Zeitung vermittelt wird, eine sehr traditionelle Vorstellung von Slowenien vermittelt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Zveza Slovencev na Mad\u017earskem&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color wp-block-paragraph\">Die Vorsitzende des Verbandes der Slowenen in Ungarn, \u201eZveza Slovencev na Mad\u017earskem&#8221;, Andrea Kov\u00e1sc, die sich als Slowenin, nicht als \u201eporabska Slovenka\u201c, Angeh\u00f6rige der slowenischen Minderheit in Ungarn, benennt, zeichnet ein faszinierendes Bild der betreffenden ethnischen Gruppe.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andrea Kov\u00e1sc&#8217; Entscheidung, sich als \u201eSlowenin\u201c statt als \u201eporabska Slovenka\u201c zu bezeichnen, ist symbolisch und politisch bedeutsam. Sie betont damit ihre Zugeh\u00f6rigkeit zur gesamten slowenischen Nation und nicht nur zur regionalen Minderheit in Ungarn. Dies st\u00e4rkt das nationale Selbstbewusstsein der slowenischen Gemeinschaft in Ungarn und signalisiert eine Identit\u00e4t, die \u00fcber regionale Grenzen hinausgeht. Ihre Selbstbezeichnung k\u00f6nnte darauf abzielen, die Verbindung zur slowenischen Nation zu betonen und die Wahrnehmung dieser Minderheit auf einer gr\u00f6\u00dferen, internationalen Ebene zu f\u00f6rdern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Verband der Slowenen in Ungarn ist eine zivile Organisation. Fr\u00fcher bestand die Organisation unter dem Namen \u201edemokati\u010dna zveza Slovanov\u201c (demokratischer Verband der Slawen), der jedoch unzureichend f\u00fcr das \u00dcberleben der slowenischen Sprache gearbeitet hat, da sein Sitz in Budapest und somit zu weit von Porabje, dem Raabgebiet entfernt gewesen war.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute unterst\u00fctzt die Organisation neun Erwachsenengruppen und eine Kindergruppe, die sich der Kulturarbeit widmen. Diese Gruppen treten in mehreren Orten in Slowenien und Ungarn regelm\u00e4\u00dfig auf und helfen mit, Kultur und Sprache der Minderheit zu erhalten, sowie die Struktur und Arbeit zu professionalisieren. Zu den Hauptaufgaben der Organisation z\u00e4hlen die Erhaltung der kulturellen Identit\u00e4t und der slowenischen Sprache und das Weiterreichen und die Wertsch\u00e4tzung ihres kulturellen Erbes, das als wertvoller Schatz angesehen werden muss. W\u00e4hrend der Vorstellung betont Frau Kovacs mehrfach, dass die Bildung und St\u00e4rkung der Jugendlichen der Minderheit am wichtigsten seien. Die Jungen sollen praktisch so ausgebildet werden, dass sie in der Zukunft Positionen wie ihre \u00fcbernehmen k\u00f6nnen, um das Fortbestehen der Struktur der Minderheit zu garantieren. Dabei sei eine starke Bewusstseinsbildung der Jugendlichen essenziell. Deswegen werden von der Organisation einige au\u00dferschulische Aktivit\u00e4ten gezielt f\u00fcr die (Aus-)Bildung der Heranwachsenden arrangiert. Diese Angebote finden meistens auch in Slowenien oder, wie Frau Kov\u00e1cs es betonte, in der \u201emati\u010dna domovina\u201c, wortw\u00f6rtlichen \u00fcbersetzt im \u201eMutterland &#8211; \u201estatt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201ePomembno je, da si mladi zavedajo svoje kulturne identitete in da postanejo ponosni. Ponosni, da so Slovenci!\u201c<\/em>&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8220;Es ist wichtig, dass sich die jungen Menschen ihrer kulturellen Identit\u00e4t bewusst sind und stolz darauf sein k\u00f6nnen. Stolz darauf, Slowene zu sein!&#8221;<\/em>&nbsp;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Andrea Kov\u00e1sc)<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Slovenci? Ne porabski slovenci?! \u2013 Slowenen? Nicht Slowenen aus dem Raabgebiet in Ungarn?!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor zehn Jahren erkannten sich 2.800 Personen als Teil der kleinsten slowenischen Volksgruppe -heute stieg die Anzahl auf circa 4000 an. Somit ist die Anzahl der Angeh\u00f6rigen sogar gestiegen, und auch die Menge an Sch\u00fcler:innen an zweisprachigen Schulen nahm deutlich zu, was die Obfrau der Zveza sehr optimistisch in die Zukunft schauen l\u00e4sst.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eW<\/em><em>ie kann sich die Zahl einer Minderheit vermehren? Ziehen da Leute dazu und identifizieren sich einfach?\u201c&nbsp;<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Aussage, die mich verwirrte: <em>\u201eHeutzutage ist es popul\u00e4r, Slowene zu sein\u201c<\/em> \u2013 Mit diesem Satz wird suggeriert, dass es in der Vergangenheit andersherum gewesen sei. Doch als wir sie fragten, ob die Minderheit mit Problemen zu k\u00e4mpfen hatte bzw. ob es heute noch welche gibt, antwortete sie mit einem schlichten Satz. <em>\u201eWe don\u2018t talk about problems, only challenges\u201c-<\/em> Man spricht nicht \u00fcber negative Ereignisse, es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine rein positive Denkweise in der Rolle als einer der wichtigsten Vertreter.innen, wenn nicht als wichtigste Hauptvertreterin einer Minderheit, zu haben und nicht reflektierend \u00fcber die Geschichte der Minderheit vor einer Gruppe interessierter Fremder sprechen zu wollen, ist bedauerlich und vermittelt schnell den Eindruck einer Inszenierung, statt die gesamte Wahrheit kennengelernt zu haben, was in unserem Fall auch so war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwar wollte Frau Kovacs nicht viel \u00fcber die Geschichte sagen, doch erz\u00e4hlte sie, dass man als Angeh\u00f6rige:r der Minderheit in der Vergangenheit als \u201e<em>Vendi\u201c<\/em> betitelt wurde, was ein ungarischer Ausdruck f\u00fcr einen Vandalen ist. Diese Bezeichnung diente der Stigmatisierung und Ausgrenzung der Minderheit und erinnert an die Bezeichnung <em>\u201eWindisch\u201c<\/em> f\u00fcr die slowenische Minderheit in K\u00e4rnten Koro\u0161ka, was ihre Erz\u00e4hlung nachvollziehbar erscheinen l\u00e4sst, jedoch auch im Widerspruch zur fr\u00fcheren Aussage von Herausforderungen statt Problemen steht. Ihre darauffolgenden Aussagen sorgten daraufhin f\u00fcr noch gr\u00f6\u00dfere Verwirrung, besonders bei den Studierenden aus Ljubljana, die mit fassungslosen Gesichtern zur\u00fcckblieben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eMad\u017eari so BARBARI, ker so oni sem pri\u0161li! Stari ljudje se \u0161e vedno&nbsp; identificirajo kot VENDI- drugi kot SLOVENCI. <\/em><em>Saj smo mi SLOVENCI in v Sloveniji pa so SLAVI.\u201d<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8220;Die Ungarn sind BARBAREN, weil sie hierhergekommen sind! Alte Leute bezeichnen sich immer noch als VANDALEN &#8211; andere als SLOWENEN. Wir sind SLOWENEN und in Slowenien sind sie SLAWEN&#8221;.<\/em>&nbsp;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Andrea Kov\u00e1sc)<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Webseite der Zveza Slovencev na Mad\u017earskem gibt s ein Video (\u201eNe pozabi! Slovenec sem! \u2013 Vergiss nicht! Ich bin Slowene!), welches zum slowenischen Kulturfeiertag (im slowenisch-sprachigen Raum auch bekannt als \u201ePre\u0161ernov dan\u201c) 2021 entstanden ist. Im Video werden verschiedene slowenische Texte von France Pre\u0161eren gelesen und verschiedene Ausschnitte aus dem Leben in Porabje gezeigt. W\u00e4hrend der Rezitationen werden immer wieder verschiedene Personen gezeigt, die alle den <em>Satz \u201ePonosen porabski Slovenec sem\/ ponosna porabska Slovenka sem\u201c, Ich bin ein:e stolze:r Slowene:in aus Porabje\/Raabgebiet <\/em>sagen. Nur Frau Kovacs ist die Einzige, die sagt: \u201e<em>ponosna slovenka sem\u201c \u201eIch bin stolze Slowenin\u201c.<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andrea Kovacs&#8217; Entscheidung, sich im Video nicht als \u201estolze Slowenin aus Porabje\u201c, sondern als \u201estolze Slowenin\u201c zu bezeichnen, hebt ihre nationale Identit\u00e4t \u00fcber die regionale Zugeh\u00f6rigkeit hinaus hervor. W\u00e4hrend andere Teilnehmer ihre Verbindung zur Region betonen, unterstreicht Kovacs damit eine \u00fcbergreifende slowenische Identit\u00e4t. Dies k\u00f6nnte darauf hindeuten, dass sie ihre Zugeh\u00f6rigkeit zur gesamten slowenischen Nation betonen m\u00f6chte, anstatt sich auf ihre Rolle als Mitglied der Minderheit in Porabje zu beschr\u00e4nken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Basierend auf Aussagen wie <em>&#8220;Es ist wichtig, dass sich die jungen Menschen ihrer kulturellen Identit\u00e4t bewusst sind und stolz darauf sein k\u00f6nnen. Stolz darauf, Slowene zu sein!&#8221;,<\/em> \u201e<em>We don&#8217;t talk about problems, only challenges\u201c, \u201eIch bin stolze Slowenin\u201c<\/em>, und der Bezugnahme auf Slowenien als <em>\u201emati\u010dna domovina\u201c<\/em> (Heimatland), stellt sich die Frage, welches Bild oder Narrativ von der slowenischen Minderheit in Ungarn durch Frau Kovacs und ihre Erz\u00e4hlungen gezeichnet wird. Wie werden die Identit\u00e4t und das Selbstverst\u00e4ndnis dieser Gemeinschaft vermittelt?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es kommt so r\u00fcber, als ob sie sich selber als Slowenin (aus Slowenien) identifiziert und mit Aussagen, wie soeben gelistet, und ihrer Position als Vorsitzende ihre eigene Art, sich zu repr\u00e4sentieren, auf die ganze Zveza und somit gleichzeitig auf die slowenische Minderheit in Ungarn \u00fcbertragt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass das Hotel den Namen \u201eLipa\u201c tr\u00e4gt, das slowenische Wort f\u00fcr Linde, da dieser Baum ein starkes Symbol f\u00fcr die slowenische Kultur und Identit\u00e4t ist. Lipa, die Linde ist nicht nur der Landesbaum Sloweniens, sondern auch ein Zeichen f\u00fcr Gemeinschaft, Freiheit und Tradition. In der Geschichte Sloweniens diente sie oft als Versammlungsort, was ihre Rolle als Symbol f\u00fcr soziale Verbundenheit unterstreicht. Zudem ist die Linde in zahlreichen slowenischen Liedern und Gedichten pr\u00e4sent, was ihre kulturelle Bedeutung weiter verst\u00e4rkt. Sie steht damit f\u00fcr die enge Verbindung zwischen Natur und Kultur sowie f\u00fcr Heimat und Best\u00e4ndigkeit in der slowenischen Identit\u00e4t.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben einem Hotel, einem Restaurant und einigen Seminarr\u00e4ume befinden sich, wie bereits weiter oben erw\u00e4hnt, im selben Geb\u00e4ude der Verband der Slowenen in Ungarn, das Radio Mono\u0161ter und die Zeitung Porabje.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Hotel wirkt, als sei die gesamte Minderheit im Hotel Lipa, denn au\u00dferhalb ist Slowenisch kaum bis gar nicht sichtbar und auch nicht h\u00f6rbar. Dies offenbarte sich uns, als wir nach dem Besuch des Hotels Lipa durch die Stadt Szentgotth\u00e1rd schlenderten und gezielt nach der slowenischen Sprache Ausschau hielten. Zwar waren die meisten Schilder und Beschriftungen zweisprachig, jedoch nicht ungarisch und slowenisch, sondern ungarisch und deutsch. Auch auf der Suche nach einem passenden Restaurant in der Mittagspause wurde uns schnell klar, dass im Ort nicht viele der slowenischen Sprache m\u00e4chtig sind. Da wir in der Stadt keine slowenischen Aufschriften auffanden, versuchte ich im Restaurant auf Slowenisch zu bestellen, worauf eine Antwort auf Englisch folgte. Im Restaurant wurde die Pr\u00e4senz der deutschen Sprache nochmals um einiges deutlicher.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die slowenische Minderheit in Ungarn hat durch nationale Gesetze und internationale Abkommen zumindest in der Theorie umfassende Rechte. Sie kann die slowenische Sprache im Alltag nutzen, erh\u00e4lt zweisprachigen Unterricht in Schulen und hat Zugang zu Medien in ihrer Sprache. Zudem soll die Kultur durch staatlich gef\u00f6rderte Programme unterst\u00fctzt werden, und die Minderheit soll politische Vertretung durch lokale Selbstverwaltungen sowie einen Vertreter im Parlament haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Praxis sind einige dieser Rechte umgesetzt, besonders im Bildungs- und Kulturbereich, wo es slowenische Schulen und Medien gibt. Dennoch gibt es Herausforderungen, insbesondere in kleineren Gemeinden, wo Assimilation und Abwanderung die slowenische Identit\u00e4t bedrohen. Der Erhalt dieser Identit\u00e4t bleibt also eine st\u00e4ndige Aufgabe. \u00c4hnlich wie bei uns in K\u00e4rnten Koro\u0161ka, wo prestigereichere Sprachen, wie Englisch und Italienisch mehr Platz bekommen als die zweite Landessprache Slowenisch, wird in Ungarn, so wie bereits weiter oben erw\u00e4hnt, lieber Raum f\u00fcr die Landessprache der \u00f6sterreichischen Nachbarn, dem Deutschen, geschaffen, was den Anschein erweckt, dass die deutsche Sprache in Szentgotth\u00e1rd, dem Heimatort der Zentrale der slowenischen Minderheitsinstitutionen, pr\u00e4senter ist als die slowenische.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend bleibt festzuhalten, dass der Besuch in Szentgotth\u00e1rd letztlich mehr Fragen aufgeworfen hat, als er Antworten lieferte. Einerseits bleibt das Bild der slowenischen Minderheit in Ungarn unklar und wirft viele neue \u00dcberlegungen auf. Andererseits steht auch die Rolle von Frau Kovacs \u2013 ihre eigene Identit\u00e4t sowie ihre Funktion als Vorsitzende der Organisation \u2013 im Raum. Hinzu kommt die Frage nach dem tats\u00e4chlichen Stellenwert und der Pr\u00e4senz der slowenischen Sprache in Ungarn, die weitere Diskussionen erforderlich macht.&nbsp;<\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inszenierung der slowenischen Minderheit in Ungarn by Hannah Novak Im Juli 2024 nahm ich an einem zweiw\u00f6chigen Seminar teil, bei dem ich die Gelegenheit hatte, mich wiederholt mit einer Angeh\u00f6rigen der slowenischen Minderheit in Ungarn auszutauschen. W\u00e4hrend die Gespr\u00e4chspartnerin aus dem Seminar selbst wenig Interesse an politischen Themen zeigte, \u00e4u\u00dferte sie deutliche Frustration \u00fcber die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":293,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-394","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/394","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=394"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/394\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":402,"href":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/394\/revisions\/402"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/293"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=394"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}