{"id":422,"date":"2026-05-20T10:38:33","date_gmt":"2026-05-20T08:38:33","guid":{"rendered":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/?page_id=422"},"modified":"2026-05-20T10:38:33","modified_gmt":"2026-05-20T08:38:33","slug":"zwischen-nationalhelden-und-massengraebern","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/?page_id=422","title":{"rendered":"Zwischen Nationalhelden und Massengr\u00e4bern\u00a0\u00a0\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-larger-font-size wp-block-paragraph\">\u00dcber die erinnerungskulturellen Denkm\u00e4ler zum Zweiten Weltkrieg in Bistrica ob Sotli&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-primary-color has-background-background-color has-text-color has-background has-normal-font-size\" style=\"text-transform:none\">by Christian Fr\u00fchwirth<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Einleitung&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Sich mit Denkm\u00e4lern in einer ethnografischen Feldforschung zu besch\u00e4ftigen, wirkt im ersten Moment vielleicht etwas abwegig. W\u00e4hrend eines Interviews geben sie keine Antworten, sie legen kein dokumentationsw\u00fcrdiges Verhalten an den Tag, und sie verfolgen auch keine allt\u00e4glichen Routinen, wodurch sie w\u00e4hrend einer Beobachtung auf den ersten Blick ganz und gar statisch und leblos erscheinen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Und dennoch erweisen sich Denkm\u00e4ler als vielseitige und gewinnbringende Quelle f\u00fcr die Ethnografie. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie drei verschiedene Zeitebenen in sich vereinen (Erll 2017: 151). Denkm\u00e4ler werden von spezifischen Akteurinnen und Akteuren in deren Gegenwart errichtet, um die Erinnerung an vergangene Ereignisse f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen zu bewahren und diese \u00f6ffentlich zur Schau zu stellen. Gleichzeitig sind Denkm\u00e4ler damit auch Teil jenes Konstruktionsprozesses, in dessen Zuge bestimmte Ereignisse aus der Vergangenheit extrahiert und zusammengesetzt werden und dessen Endprodukt gemeinhin als Geschichte bezeichnet wird. Als Objekte k\u00f6nnen Denkm\u00e4ler schlie\u00dflich mit unterschiedlichen Bedeutungen aufgeladen werden. Menschen interagieren mit ihnen. Sie werden gepflegt, beschmiert oder schlichtweg vernachl\u00e4ssigt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-small-font-size wp-block-paragraph\">Es sind \u00dcberlegungen wie diese, die mich dazu bewogen haben, mich auf unserer Forschungsreise und im folgenden Essay mit den erinnerungskulturellen Dimensionen von Denkm\u00e4lern zum Zweiten Weltkrieg in Bistrica ob Sotli zu besch\u00e4ftigen. Mich interessierte vor allem, welche historischen Ereignisse sich in der materiellen Erinnerungskultur des Ortes niederschlagen, welche Institutionen an diese erinnern m\u00f6chten, welches Geschichtsbild mit den Denkm\u00e4lern vermittelt werden soll und wie die Menschen mit ihnen interagieren. Um diesen Fragen nachzugehen, m\u00f6chte ich nun die Lesenden dazu einladen, mich auf meinem Beobachtungsspaziergang durch Bistrica ob Sotli zu begleiten.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Auf Denkmalsuche \u2013 ein Beobachtungsspaziergang durch Bistrica ob Sotli&nbsp;&nbsp;<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Es ist Samstag, der 12. November 2022. Als wir unseren Spaziergang um 10 Uhr vormittags beginnen und unsere Herberge, das Hostel <em>Gabronka<\/em>, verlassen, hat sich der herbstliche Morgennebel nahezu g\u00e4nzlich gelichtet und die Sonne kommt zum Vorschein. Weit m\u00fcssen wir von dort aus nicht gehen, um das erste Erinnerungsmonument im Ort zu erblicken. Bereits nach wenigen Schritten erreichen wir das Rathaus von Bistrica ob Sotli. Umgeben von einer gepflegten Buchsbaumhecke befindet sich, auf einem eigens daf\u00fcr angelegten Vorplatz, eine kleine graue Steintafel mit goldener Inschrift, die etwas angeschr\u00e4gt auf einem Stein auf dem Boden aufgestellt wurde. Davor hat jemand Blumen gepflanzt und zwei Grabkerzen aufgestellt. Zusammen mit einer gemauerten Steins\u00e4ule, die von einem f\u00fcnfzackigen roten Stern gekr\u00f6nt wird, bildet diese Tafel vor dem Rathaus ein Erinnerungsensemble an einem besonders repr\u00e4sentativen Ort.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"588\" height=\"506\" src=\"https:\/\/ontheborder.aau.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/image-3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-428\" style=\"width:446px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Die Gedenktafel ist in zwei Abschnitte unterteilt, wobei \u00fcber allem, mittig an der Oberkante, ein goldener, f\u00fcnfzackiger Stern wacht. Die obere H\u00e4lfte erinnert an die PADLI BORCI, zu Deutsch: gefallenen K\u00e4mpfer, die in den Kampfhandlungen mit den nationalsozialistischen Besatzern und deren Verb\u00fcndeten w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs gestorben sind. Wer sind diese K\u00e4mpfer?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Das Deutsche Reich hatte am 06. April 1941 Jugoslawien \u00fcberfallen und bereits am 17. April 1941 dessen Kapitulation erzwungen. Der Angriff erfolgte unter dem Vorwand, dass die dort lebende deutsche Minderheit in Gefahr sei. W\u00e4hrend das mit Deutschland verb\u00fcndete Italien mit der Einrichtung der <em>Provincia di Lubiana<\/em> vor allem das Zentrum des heutigen Staates Slowenien mit der Hauptstadt Ljubljana erhielt, sicherte sich Deutschland die Oberkrain, den Norden der Unterkrain und die gesamte Untersteiermark (Bahovec 2001: 453f). Dort begannen die Besatzer binnen weniger Tage nach dem \u00dcberfall mit der Errichtung einer nationalsozialistischen Zivilverwaltung, die unter der F\u00fchrung des Gauleiters der Steiermark, Dr. Sigfried Uiberreither, stand. M\u00f6glich war eine derart schnelle Ausf\u00fchrung vor allem deshalb, weil die Vorbereitung zur Invasion bereits ein Jahr zuvor durch das Gaugrenzlandamt und das S\u00fcdostdeutsche Institut in Graz getroffen wurden (Mavri\u010d-\u017di\u017eek\/ Raj\u0161p 2015: 653ff).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Wie es der Rassentheoretiker und SS-Obersturmbannf\u00fchrer Prof. Dr. Bruno K. Schultz im <em>Bericht des Umsiedlungsstabes Untersteiermark \u00fcber die Volks- und Rassenverh\u00e4ltnisse der Untersteiermark<\/em> vom 10. September 1941 darstellt, nahmen die zust\u00e4ndigen Kommissionen nahezu zeitgleich bereits die Arbeit an der Germanisierung der Untersteiermark auf. Nach Adolf Hitlers bekanntem Befehl \u201eMachen Sie mir dieses Land wieder deutsch!\u201c wurde die Bev\u00f6lkerung der Untersteiermark nach rassischen Kriterien eingeordnet und entsprechend ihrer k\u00f6rperlichen Merkmale und politischer Gesinnung in vier Wertungsgruppen aufgeteilt (Ferenc T. 1980: Nr. 127, S. 247\u2013261). Nachdem diese Einteilung durchgef\u00fchrt wurde, begannen die Beh\u00f6rden mit der massenhaften Aussiedlung, die in drei Wellen durchgef\u00fchrt wurde. Die slowenische Intelligenz wurde bereits kurz nach der Kapitulation deportiert oder verhaftet. Zudem wurden alsbald auch alle slowenischen Vereine der Untersteiermark aufgel\u00f6st, die slowenischen Bibliotheken geschlossen, die Verwendung der deutschen Sprache forciert und das Slowenische bis 1942 in nahezu allen Lebensbereichen verboten (Mavri\u010d-\u017di\u017eek\/ Raj\u0161p 2015: 660ff. sowie 672).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Die rigorose Abarbeitung der nationalsozialistischen Rassenpolitik, die dr\u00fcckenden Germanisierungsma\u00dfnahmen und die massenhaften Vertreibungen f\u00fchrten in der besetzten Untersteiermark noch im Jahr 1941 zur Formierung von anfangs noch unabh\u00e4ngig agierenden Widerstandsgruppen, die versuchten, gegen die Besatzungsmacht und ihre Verb\u00fcndeten anzuk\u00e4mpfen. Bereits im September 1941 kam es dann zur Integration der verschiedenen slowenischen Partisanengruppen in die jugoslawische Volksbefreiungsarmee unter dem Kommando von Josip Broz Tito. Wenngleich die Widerstandsbewegung anf\u00e4nglich einige Erfolge erzielen konnte, musste sie regional auch herbe Niederlagen hinnehmen. Eine solche ereignete sich beispielsweise im Herbst 1941, als das sogenannte Steiermark-Bataillon erfolglos versuchte, Bre\u017eice, eine der gr\u00f6\u00dften St\u00e4dte der Region um Bistrica ob Sotli, zu erobern. In den folgenden Jahren kam es regelm\u00e4\u00dfig zu Gebietseroberungen durch Partisanentruppen und R\u00fcckeroberungen durch die Besatzer, die h\u00e4ufig mit hohen Verlusten und Repressionen verbunden waren. Darauf nimmt der untere Teil der Gedenktafel vor dem Rathaus von Bistrica Bezug, wenn zus\u00e4tzlich zu den Gefallenen noch sechs weitere \u017dRTVE FA\u0160IZMA, also Opfer des Faschismus, erw\u00e4hnt werden.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Wann dieses Denkmal errichtet wurde und wer es gestiftet hat, l\u00e4sst sich nicht mit Sicherheit sagen. Ein ausdr\u00fccklicher Vermerk existiert nicht. Die verwendete Symbolik legt allerdings nahe, dass es noch w\u00e4hrend der jugoslawischen \u00c4ra aufgestellt wurde. Der repr\u00e4sentative Aufstellungsort l\u00e4sst ebenfalls vermuten, dass es sich um ein staatliches Denkmal handelt. Gleichzeitig reicht dieses Denkmal, durch die Nennung von Verstorbenen, tief in die individuelle oder famili\u00e4re Ebene der Erinnerung hinein. Bezogen auf die unterschiedlichen Erinnerungsebenen bemerkt Aleida Assmann, dass das \u00f6ffentliche Ged\u00e4chtnis staatlicher Gebilde eng mit der Existenz des jeweiligen Staates verbunden ist. Wenn dieser aufh\u00f6rt zu existieren verschwindet auch die \u00f6ffentliche Erinnerung daran relativ rasch. Auf der famili\u00e4ren Ebene hingegen bleibe Erinnerung zumindest so lange bestehen, bis niemand aus der Familie mehr einen Zugang zu den jeweiligen Ereignissen und Menschen hat. Die Gedenktafel vor dem Rathaus liegt also an der Schnittstelle zweier Erinnerungsebenen und profitiert allem Anschein nach davon. Denn auch wenn das politische System, unter dem die Tafel scheinbar errichtet wurde, nicht mehr existiert, wird sie weiterhin gepflegt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Verlassen wir nun den Vorplatz des Rathauses und machen uns auf in Richtung der Hauptstra\u00dfe. Entlang dieser Stra\u00dfe befinden sich weitere Einrichtungen des d\u00f6rflichen Lebens wie die Schule, der Supermarkt, das Gasthaus und das Kulturzentrum \u2013 letzteres ist unser n\u00e4chstes Ziel. Bei unserem Eintreffen genie\u00dfen gerade einige M\u00e4nner die vormitt\u00e4gliche warme Herbstsonne und nehmen auf der Terrasse des nahegelegenen Gasthauses <em>\u0160empeter<\/em> einen Kaffee oder ein Glas Wei\u00dfwein zu sich. Anders als wir w\u00fcrdigen sie die kleine graue Steintafel mit der goldenen Inschrift und dem mit Gr\u00fcnspan befallenen Metallt\u00e4felchen an der Fassade des angrenzenden Kulturhauses keines Blickes. Der Kranz unter der Tafel ist vertrocknet, die Farben der panslawischen Schleife sind verblichen. Allein die Goldfarbe hat nichts von ihrem Glanz verloren.&nbsp;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"448\" height=\"497\" src=\"https:\/\/ontheborder.aau.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/image-4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-429\" style=\"width:321px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Gewidmet ist dieses Denkmal Ivan Skvar\u0107a Modras, der als National- bzw. Volksheld vorgestellt wird. Er soll an dieser Stelle in der Nacht vom 20.12.1943 im Kampf gegen die Besatzer gefallen sein: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><em>V NO\u0106I NA 20. XII. 1943 \/ JE OB PARTIZANSKEM \/ NAPADU NA TUKA J\u0160NJO \/ OKUPATORJEVO \/ POSTOJANKO PADEL \/ NARODNI HEROJ \/ IVAN SKVAR\u0106A MODRAS.<\/em> <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Was ist der Hintergrund? Trotz der zuvor erw\u00e4hnten R\u00fcckeroberungen der deutschen Besatzer gelang es der Widerstandsbewegung seit 1943 langsam die Oberhand im Kampf um die slowenischen Gebiete zu gewinnen. Das Erstarken der slowenischen Partisanenbewegung spiegelt sich beispielsweise in der Tatsache wider, dass der Reichsf\u00fchrer-SS Heinrich Himmler die gesamte Untersteiermark am 21. Juni 1943 zum Bandenkampfgebiet ernannte (Ferenc T. 1980: Nr. 312, S. 614).\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Wie die Gedenktafel berichtet, war ab Ende des Jahres 1943 auch Bistrica ob Sotli zum Schauplatz von K\u00e4mpfen zwischen Partisanen und Besatzern geworden. Aus einem Bericht <em>\u00dcber die Sicherheitslage im Ansiedlungsgebiet A der Untersteiermark<\/em> des SS-Obergruppenf\u00fchrers und Generals der Polizei Ulrich Greifelt vom 21. September 1944 l\u00e4sst sich schlie\u00dfen, dass die Besatzer seit dem Fr\u00fchjahr vor allem die D\u00f6rfer entlang der kroatischen Grenze als gef\u00e4hrdet ansahen und bef\u00fcrchteten, diese zu verlieren. Diese Annahme hat sich in den folgenden Monaten auch best\u00e4tigt. Laut Greifelt waren sowohl Bistrica als auch der Nachbarort Kun\u0161perk, zum Zeitpunkt seines Berichts, schon vom restlichen Besatzungsgebiet abgeschnitten (Ferenc T. 1980: Nr. 321, S. 642\u2013646). In den kommenden Monaten entglitt den Besatzern vollkommen die Kontrolle \u00fcber die besetzten Gebiete im heutigen Slowenien und sie mussten sich bis Kriegsende sukzessive an die \u00f6sterreichische Grenze zur\u00fcckziehen (Mavri\u010d-\u017di\u017eek\/ Raj\u0161p 2015: 682ff).&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Kommen wir nun aber zur\u00fcck zum Denkmal. Erneut lassen sich hier weder Stifterinstitution noch Anbringungsdatum finden. Allein die Konturen des kommunistischen Sterns an der Oberkante der Tafel, in dessen Mitte sich Hammer und Sichel kreuzen, lassen ebenfalls auf eine Aufstellung durch den jugoslawischen Staat schlie\u00dfen. Im Gegensatz zum ersten Beispiel scheint die Gedenktafel f\u00fcr den \u201eNationalhelden\u201c Ivan Skvar\u0107a Modras allerdings ihre Bedeutung weitestgehend verloren zu haben, da sie offensichtlich nicht mehr beachtet wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Leicht bergab f\u00fchrt uns unser Spaziergang nun weiter der Hauptstra\u00dfe entlang. Wir passieren das erw\u00e4hnte Gasthaus, vor dessen Eingang die Statue eines Kapauns auf einer Stele ruht, ehe sich rechterhand der Blick auf die Pfarrkirche St. Peter er\u00f6ffnet. Umgeben von einer Steinmauer steht sie am Abhang des H\u00fcgels und \u00fcberblickt die darunterliegende Ebene. Bereits von weitem l\u00e4sst sich direkt am Hauptzugang zum Kirchengel\u00e4nde erneut ein Denkmal erkennen. Es besteht aus einer dunkelgrauen Steinplatte, die an einem gr\u00f6\u00dferen Felsen angebracht wurde. An der Oberkante dieser Tafel sind vier Schwalben im Flug abgebildet. Darunter wurde folgende Inschrift in den Stein gemei\u00dfelt:&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><em>DOMOVINA, \/ JOKALI SMO ZA TEBOJ \/ V <\/em><em>\u010cASU II SVETOVNE VOJNE JE BILA \/ V DNEH 21. DO 24. NOVEMBRA 1941 \/ IZ \u017dUPNIKE SV. PETER POD SV. GORAMI \/ PREGNANA VE\u010cINA NJENIH \/ PREBIVALCEV. NA OPUSTO\u0160ENE \/&nbsp; DOMOVE SMO SE VRNILI PO KONCU \/ VOJNE L. 1945 MNOGI PA NIKOLI VE\u010c&#8230; \/<\/em> <em>V SPOMIN NA TE\u017dKE DNI POSTAVILO \/ DRU\u0160TVO IZGNANCEV SLOVENIJE \/ KO BISTRICA OB SOTLI \/ NOVEMBRA 2002<\/em>&nbsp;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"478\" height=\"801\" src=\"https:\/\/ontheborder.aau.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/image-5.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-430\" style=\"width:303px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/ontheborder.aau.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/image-5.png 478w, https:\/\/ontheborder.aau.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/image-5-358x600.png 358w\" sizes=\"auto, (max-width: 478px) 100vw, 478px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Der Text der Gedenktafel berichtet von Aussiedlungen in Bistrica ob Sotli, die von 21. bis 24. November 1941 stattfanden. Die Tafel bezieht sich somit auf die Auswirkungen der zuvor erw\u00e4hnten v\u00f6lkischen Politik der nationalsozialistischen Besatzungsmacht. Worum geht es genau? W\u00e4hrend der dritten Aussiedelungswelle, die zwischen dem 24. Oktober 1941 und dem 30. Juli 1942 durchgef\u00fchrt wurde, verloren \u00fcber 30.000 Sloweninnen und Slowenen ihren Wohnsitz im sogenannten Rann-Dreieck, am Zusammenfluss der Fl\u00fcsse Sotla und Save (Karner 2005: 112). Gem\u00e4\u00df den <em>Richtlinien und Anweisungen des Reichskommissars f\u00fcr die Festigung deutschen Volkstums zur Aussiedlung von Slowenen und Ansiedlung von Deutschen in der Untersteiermark <\/em>vom18. April 1941 hatten die Zust\u00e4ndigen die gesamte Bev\u00f6lkerung entlang der Sotla auszusiedeln, selbst jene Menschen, die grunds\u00e4tzlich nach den Rassenkriterien der Besatzungsmacht als Siedler bleiben h\u00e4tten k\u00f6nnen (Ferenc T. 1980: Nr. 23, S. 60\u201363). Das freigewordene Land sollte n\u00e4mlich unter anderem von den Bewohnerinnen und Bewohnern der Gottschee besiedelt werden, die zuvor mehrheitlich f\u00fcr die sogenannte \u201aHeimholung ins Reich\u2018 optiert hatten, nachdem ihr ehemaliger Siedlungsraum zum italienischen Besatzungsgebiet erkl\u00e4rt worden war (Suppan 2002: 400\u2013409). Wie aus einem weiteren Schreiben Heinrich Himmlers vom 01. November 1941 hervorgeht, war auch Bistrica ob Sotli zum Siedlungsraum f\u00fcr die Gottscheer bestimmt worden (Ferenc T. 1980: Nr. 169, S. 335\u2013337).\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Mit der <em>Dru\u0161tvo izgnancev Slovenije, <\/em>zu Deutsch: der Gesellschaft slowenischer Exilanten, l\u00e4sst sich hier nun erstmals ein Verein als Aufsteller hinter diesem Denkmal finden. Damit ist die Gedenktafel Teil einer gruppenspezifischen Erinnerung und dient hier im speziellen dem traumatischen Opferged\u00e4chtnis (Assmann 2014: 74\u201381). Die Tafel zielt darauf ab, die Erinnerung an das kollektiv erlebte Trauma der Aussiedelung am Leben zu halten. Der frische Blumenschmuck vor der Tafel zeugt davon, dass sie ihre Aufgabe nach wie vor erf\u00fcllt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Wir verlassen nun das Kirchengel\u00e4nde und machen uns auf zu unserer letzten Station. Daf\u00fcr nehmen wir den Steig auf der rechten Seite, der uns vorbei an Wohnh\u00e4usern einmal um den H\u00fcgel herum und wieder hinunter zur Hauptstra\u00dfe f\u00fchrt. Nachdem wir diese gequert haben, k\u00f6nnen wir unser Ziel in einiger Entfernung bereits sehen: den Friedhof von Bistrica ob Sotli.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Als wir ankommen, herrscht reger Betrieb. Blumen werden gegossen, ausgebrannte Kerzen werden durch neue ersetzt, und das bisschen Unkraut, das zu dieser Jahreszeit noch vorhanden ist, wird ausgerissen. Lebhaft spricht ein \u00e4lterer Mann zu seinen Enkelkindern und deutet dabei auf drei zusammenh\u00e4ngende Steintafeln, die an der Friedhofsmauer vor der Leichenhalle angebracht sind. Vor ihnen steht eine Vielzahl von Kerzen und Blumen, die von der besonderen Bedeutung dieses Monuments f\u00fcr die Menschen in Bistrica zeugen. Politische Symbole oder Hinweise auf eine Stifterinstitution fehlen hier g\u00e4nzlich, weshalb dieses Denkmal wohl vor allem der individuellen Erinnerungsebene dienen soll. Die Tafeln wurden in SPOMIN UMRLIM V \/ IZGNASTVU 1941 \u2013 1945, also in Erinnerung an die Verstorbenen im Exil aufgestellt. Zu lesen sind dort die Namen von 88 Personen, die w\u00e4hrend der Deportationen ums Leben kamen. Wohin genau all jene Menschen durch die Nationalsozialisten verfrachtet wurden, bleibt unklar. Die Forschung geht davon aus, dass die Menschen aus der Untersteiermark vornehmlich in den deutschsprachigen Teil des Reichs deportiert wurden.&nbsp;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"603\" height=\"511\" src=\"https:\/\/ontheborder.aau.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/image-6.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-431\" style=\"width:414px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/ontheborder.aau.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/image-6.png 603w, https:\/\/ontheborder.aau.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/image-6-600x508.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 603px) 100vw, 603px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Halten wir an diesem Punkt\/Ort kurz inne. Bis hierher haben wir vier Denkm\u00e4ler vorgefunden, die uns Auskunft \u00fcber die Ereignisse w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs in und um Bistrica ob Solti geben und dabei verschiedene Erinnerungsebenen ansprechen. Allesamt erinnern sie an die menschenverachtende Rassenpolitik der nationalsozialistischen Besatzungsmacht und den Befreiungskampf der slowenischen bzw. jugoslawischen Partisanen und Partisaninnen. Somit spiegeln sich in den Denkm\u00e4lern wichtige Elemente des nationalslowenische Geschichtsnarrativs wider, welches gerade von der Zeit der Besatzung und des Widerstands stark gepr\u00e4gt ist (Zebec 2016: 115\u2013123). Es sind vor allem solche, in jeglicher Hinsicht gegens\u00e4tzlichen Ereignisse, wie der unrechtm\u00e4\u00dfige \u00dcberfall Deutschlands im April 1941 und der darauffolgende jahrelange heroische Widerstandskampf, die laut Assmann h\u00e4ufig die Grundlage nationaler Geschichtserz\u00e4hlung und Erinnerungskultur bilden. Dabei gilt es aber stets zu bedenken, dass der grunds\u00e4tzliche Charakter solcher Narrative selektiv ist. Passende Geschehnisse werden ausgew\u00e4hlt und zu einer stimmigen Erz\u00e4hlung zusammengestellt, w\u00e4hrend Unpassendes au\u00dfenvorgelassen wird (Assmann 2014: 36\u201342; 62\u201370).&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Nach unserer kurzen Denkpause schlendern wir noch gem\u00fctlich \u00fcber den Friedhof und lassen unseren Blick schweifen. Nach einer Weile erkennen wir etwas abseits, in einer der Ecken des Gel\u00e4ndes, eine weitere Tafel, die an der Friedhofsmauer befestigt ist. Sie hebt sich von den anderen Grabsteinen ab und zieht daher unsere Aufmerksamkeit auf sich. Als wir auf die Tafel zugehen, merken wir, dass es sich dabei ebenfalls um ein Denkmal handelt. Auch dieses besteht aus einer schlichten grauen Steinplatte. Eine Handvoll Kerzen und frischer Blumenschmuck zeugen auch hier von einer lebendigen Erinnerung. Bei genauerem Hinsehen stellen wir etwas verwundert fest, dass sich auf der Tafel der kroatische Wappenschild befindet. Zudem ist dort folgender Text zu lesen:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">NADOMAK NAM DRAGE \/ DOMAJE, SUZE TEK GORKE PA\u0160E, \/ DOK OKURUTNA RUKA BEZ DU\u0160E, \/ SKON\u010cA, \u017dIVOTE NA\u0160E. \/ MOLITE ZA NAS I OPROST, \/ NA\u0160IH I NJIHOVIH GRIJEHA. STVORITE SVIJET BEZ MR\u017dNJE; PUN \/ SVJETLA I RADOSNOG SMIJEHA. \/ U SPOMEN NA NEDU\u017dNE \u017dRTVE PORA\u010cA \/ ZAROBLJENE HRV VOJNIKI I CIVILE IZ \/ KOLONA KRI\u017dNOG PUTA. KOJI SU \/ TIJEKOM 5.16. MJ 1945 G. POGUBLJENI NA \/ PODRU\u010cJU MJESTA SV. PETAR POD SV. \/ GORAMI. \/ HRVATSKI DOMOBRAN \/ 2008&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"544\" height=\"566\" src=\"https:\/\/ontheborder.aau.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/image-7.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-432\" style=\"width:366px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Das Denkmal berichtet davon, dass im Mai 1945, nach dem offiziellen Kriegsende, kroatische Soldaten und Zivilisten in Bistrica ob Sotli ermordet wurden. Doch wie war es dazu gekommen?&nbsp; Wie bereits erw\u00e4hnt, f\u00fchrte die deutsche Besatzungspolitik in der Untersteiermark schon fr\u00fch zur Formierung von Widerstandsbewegungen. Doch nicht alle Teile der Bev\u00f6lkerung schlossen sich diesen an oder kooperierten mit ihnen. Stattdessen bildeten sich auch Gruppen wie die sogenannten <em>Domobranzen,<\/em> bzw. Heimwehren, oder die <em>Usta\u0161a<\/em>, die mit den deutschen Besatzern in milit\u00e4rischer und politischer Hinsicht kollaborierten. Weiters arbeiteten noch bestimmte zivile Bev\u00f6lkerungsgruppen mit der deutschen Besatzungsmacht zusammen, darunter vor allem jene, die sich nicht mit der kommunistischen Volksbefreiungsbewegung identifizieren konnten oder sich als sogenannte Volksdeutsche f\u00fchlten. Nach dem Abzug der deutschen Truppen und der \u00dcbernahme der ehemals besetzten Regionen durch die jugoslawische Volksbefreiungsarmee bekamen zur\u00fcckgebliebene oder gefangengenommene Kollaborateure die Rache der Sieger zu sp\u00fcren. W\u00e4hrend politischer S\u00e4uberungsaktionen wurden Tausende inhaftiert und in Straflager gebracht, aus ihrer Heimat vertrieben oder als Vergeltungsma\u00dfnahme, h\u00e4ufig ohne Prozess, hingerichtet und in Massengr\u00e4bern verscharrt (Bahovec 2001: 462\u2013468).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Laut Mitja Ferenc, dem f\u00fchrenden Forscher auf dem Gebiet der Massengr\u00e4ber in Slowenien, wurden zwar seit 2006 bereits zahlreiche dieser anonymen Begr\u00e4bnisst\u00e4tten arch\u00e4ologisch erschlossen, doch warten noch viele weitere bekannte wie unbekannte Massengr\u00e4ber darauf, gefunden und erforscht zu werden. Zu diesen z\u00e4hlen auch jene, die sich in und um Bistrica ob Sotli befinden. Eines davon liegt beispielsweise auf dem heutigen Schulgel\u00e4nde. Zwar hatte man das Massengrab bereits im Jahr 1978 bei den Bauarbeiten f\u00fcr das neue Schulgeb\u00e4ude entdeckt, geborgen oder ordentlich begraben wurden die Gebeine der Ermordeten zu dieser Zeit allerdings noch nicht (Ferenc M. 2022: 668; 680).&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Bis zur Aufstellung dieser Gedenktafel am Friedhof im Jahr 2008 sollten also noch weitere 30 Jahre vergehen. Bis zum Zusammenbruch Jugoslawiens war die Staatsf\u00fchrung darum bem\u00fcht, die Thematik so gut es ging aus der \u00d6ffentlichkeit fernzuhalten, da sie nicht ins politische Geschichtsnarrativ passte (Zebec 2016: 8\u201324). Als Nazi-Kollaborateure wurden die kroatischen <em>Usta\u0161a<\/em> und die Domobranzen als feindliche Kr\u00e4fte angesehen. Daran habe sich auch im heutigen slowenischen Geschichtsbild nicht viel ge\u00e4ndert. Die Rolle der Kollaborateure ist allerdings immer wieder Gegenstand politischer wie gesellschaftlicher Debatten (Zebec 2016: 177\u2013250).&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Anders als in Slowenien geh\u00f6rt der Widerstand gegen die kommunistische Volksbefreiungsarmee in Kroatien seit dem Zusammenbruch Jugoslawiens durchaus zum nationalkroatischen Geschichtsbild (Zebec 2016: 134\u2013140). Somit verwundert es auch nicht, wenn an der Unterkante der Gedenktafel keine slowenische Institution, sondern die <em>Hrvatski Domobran,<\/em> eine Nachfolgeorganisation der kroatischen Heimwehr, als Stifter genannt wird. Auch hierbei handelt es sich also um ein Denkmal, das der Erinnerung einer bestimmten Gruppe zuzuordnen ist und gleichzeitig Teil eines spezifischen politischen Ged\u00e4chtnisses ist. Diese Erz\u00e4hlung bricht allerdings nicht nur mit dem im Ort vorherrschenden Verst\u00e4ndnis dieser Epoche. Vielmehr versucht das Denkmal auch, das etablierte T\u00e4ter-Opfer-Verh\u00e4ltnis umzukehren, indem es auf die Verbrechen des jugoslawischen Staates nach Kriegsende hinweist. Dass sich solche Widerspr\u00fcche \u00fcberhaupt erst im selben Raum manifestieren k\u00f6nnen, ist wohl auf die ver\u00e4nderten politischen Begebenheiten der letzten Jahrzehnte zur\u00fcckzuf\u00fchren. Das Wegbrechen des alten politischen Systems, dessen Ged\u00e4chtnis und Geschichtserz\u00e4hlung zunehmend verschwinden, erm\u00f6glicht es neuen und alternativen Narrativen, die L\u00fccken im Erinnerungsraum zu f\u00fcllen. Mit teils radikalen Br\u00fcchen versuchen Akteure wie die <em>Hrvatski Domobran<\/em> ihre eigene Geschichte kreieren, die sie anhand von erinnerungskulturellen Denkm\u00e4lern nach Au\u00dfen transportieren.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">\u00c4hnliches hat bereits Bo\u017eidar Jezernik am Beispiel der slowenischen Hauptstadt Ljubljana gezeigt. Erinnerungskulturelle Monumente w\u00fcrden, Jezernik zufolge, stets nur in einem spezifischen Kontext f\u00fcr eine bestimmte Gruppe von Bedeutung sein. Kommt es nun zu einem politischen oder gesellschaftlichen Wandel k\u00f6nne dies auch Einfluss auf die Erinnerungskultur haben; alte Monumente werden beispielsweise obsolet oder abgerissen. In diesem Zuge w\u00fcrden auch andere Akteursgruppen versuchen den \u00f6ffentlichen Erinnerungsraum f\u00fcr sich zu reklamieren und mit Hilfe neuer Denkm\u00e4ler ihre eigene Geschichte zur Schau zu stellen. Die Erinnerung an historische Ereignisse erscheint somit genauso variabel wie die Frage, welche Geschehnisse \u00fcberhaupt erst erinnert werden sollten. Nach Jezernik sind Denkm\u00e4ler, genauso wie die ihnen zugrundeliegenden Geschichtsnarrative, st\u00e4ndig den B\u00f6en eines politischen wie gesellschaftlichen <em>Wind of Change<\/em> ausgesetzt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Fazit&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Noch w\u00e4hrend wir das Denkmal f\u00fcr die kroatischen Opfer aufmerksam betrachten, h\u00f6ren wir den mitt\u00e4glichen Glockenschlag der Pfarrkirche. Er weist uns darauf hin, dass es an der Zeit ist, den Friedhof zu verlassen und den R\u00fcckweg zum Hostel anzutreten. Der n\u00e4chste Programmpunkt steht bereits auf dem Plan, w\u00e4hrend wir noch versuchen, die vielen Eindr\u00fccke zu verarbeiten und unsere Gedanken zu sortieren.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Auf unserem Beobachtungsspaziergang durch das kleine Grenzdorf Bistrica ob Sotli haben wir nicht nur f\u00fcnf verschiedene Denkm\u00e4ler zum Zweiten Weltkrieg und deren Erz\u00e4hlungen entdeckt. Vielmehr haben wir auch festgestellt, dass einerseits verschiedene Gruppen mit Hilfe dieser Denkm\u00e4ler versuchen, denselben Raum f\u00fcr sich und ihre Version der Geschichte zu beanspruchen. Das Auftreten widerspr\u00fcchlicher historischer Narrative im \u00f6ffentlichen Raum kann dabei als Ausdruck aktueller politischer Entwicklungen und spezifischer Geschichtsverst\u00e4ndnisse begriffen werden, an deren Zusammenfluss kollektive Erinnerungsdenkm\u00e4ler stehen. Andererseits haben wir erkannt, dass die Erinnerung auf unterschiedlichen Ebenen stattfindet. Diese k\u00f6nnen wiederum Einfluss darauf nehmen, welche Bedeutung die jeweiligen Denkm\u00e4ler zu einem bestimmten Zeitpunkt f\u00fcr die Menschen haben.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Es lohnt sich also in vielerlei Hinsicht, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und die zahlreichen, oftmals unscheinbaren, Denkm\u00e4ler genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie verweisen nicht nur auf Vergangenes, sondern auch auf gegenw\u00e4rtige gesellschaftliche Debatten, widerstreitende Narrative, geschichtspolitische Entwicklungen und letztendlich auch auf die verschiedenen Ebenen der Erinnerung.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Literaturverzeichnis&nbsp;<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Assmann, Aleida (2014): Der lange Schatten der Vergangenheit. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik. 2. Auflage. M\u00fcnchen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Bahovec, Tina (2001): Der Zweite Weltkrieg im Alpen-Adria-Raum. In: Moritsch, Andreas (Hrsg.), Alpen-Adria. Zur Geschichte einer Region. Klagenfurt\/ Laibach\/ Wien. S. 453\u2013469.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Erll, Astrid (2017): Kollektives Ged\u00e4chtnis und Erinnerungskulturen. Eine Einf\u00fchrung. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Ferenc, Mitja (2022): Prikrivena grobi\u0161ta Hrvata u Sloveniji \u2013 30 godina nakon demokratskih promjena. Problemi i rezultati istra\u017eivanja. In: \u010casopis za suvremenu povijest, Vol. 3, S. 655\u2013687.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Ferenc, Tone (1980): Quellen zur nationalsozialistischen Entnationalisierungspolitik in Slowenien 1941 \u2013 1945. Maribor.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Jezernik, Bo\u017eidar (1998): Monuments in the Winds of Change. In: International Journal of urban and regional Research, Vol.22\/4, S. 582\u2013588.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Karner, Stefan (2005): Oberkrain und Untersteiermark 1941-1945. Zur NS-Okkupationspolitik in Slowenien. In: Ders.\/ Stergar, Janez (Hrsg.): K\u00e4rnten und Slowenien \u2013 \u201cDickicht und Pfade\u201d (=K\u00e4rnten und die nationale Frage, Bd. 5). Klagenfurt\/ Laibach\/ Wien.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Mavri\u010d-\u017di\u017eek, Irena\/ Raj\u0161p, Vincenc (2015): Die Besetzung der Untersteiermark. In: Ableitinger, Alfred (Hrsg.), Bundesland und Reichsgau. Demokratie, \u201eSt\u00e4ndestaat\u201c und NS-Herrschaft in der Steiermark 1918 bis 1945 (=Geschichte der Steiermark, Bd. 9\/1). Wien\/ K\u00f6ln\/ Weimar. S. 653\u2013686.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Suppan, Arnold (2002): Untersteirer, Gottscheer und Laibacher als deutsche Minderheit zwischen Adria, Karawanken und Mur (1918-1948). In: Ders. (Hrsg.): Deutsche Geschichte im Osten Europas. Zwischen Adria und Karawanken. Berlin. S. 350\u2013422.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Zebec, Davor (2016): Die Massent\u00f6tungen nach Kriegsende 1945 auf dem jugoslawischen Kriegsschauplatz. Ein Vergleich der kroatischen und slowenischen Historiografie. M\u00fcnchen. (Diss.).&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Abbildungsverzeichnis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Abbildung 1: Gedenktafel der Gefallenen und Opfer des Faschismus vor dem Rathaus in Bistrica ob Sotli. Fotographie \u00a9 Christian Fr\u00fchwirth. 2022.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Abbildung 2: Denkmal f\u00fcr den \u201eNationalhelden\u201c Ivan Skvar\u0107a Modras an der Fassade des Kulturni Dom in Bistrica ob Sotli. Fotographie \u00a9 Christian Fr\u00fchwirth. 2022.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Abbildung 3: Denkmal der Verschleppten vor der Kirche in Bistrica ob Sotli. Fotographie \u00a9 Christian Fr\u00fchwirth. 2022.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Abbildung 4: Gedenktafel f\u00fcr die Verstorbenen im Exil am Friedhof in Bistrica ob Sotli. Fotographie \u00a9 Christian Fr\u00fchwirth. 2022.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Abbildung 5: Gedenktafel f\u00fcr die kroatischen Opfer am Friedhof in Bistrica ob Sotli. Fotographie \u00a9 Christian Fr\u00fchwirth. 2022.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die erinnerungskulturellen Denkm\u00e4ler zum Zweiten Weltkrieg in Bistrica ob Sotli&nbsp;&nbsp;&nbsp; by Christian Fr\u00fchwirth Einleitung&nbsp;&nbsp; Sich mit Denkm\u00e4lern in einer ethnografischen Feldforschung zu besch\u00e4ftigen, wirkt im ersten Moment vielleicht etwas abwegig. 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