{"id":78,"date":"2022-03-23T08:17:26","date_gmt":"2022-03-23T07:17:26","guid":{"rendered":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/?page_id=78"},"modified":"2026-06-13T21:03:58","modified_gmt":"2026-06-13T19:03:58","slug":"78-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ontheborder.aau.at\/","title":{"rendered":"ON THE BORDER"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading alignfull has-text-align-center has-background-background-color has-background\">Kulturanalytische Betrachtungen von Grenzregionen<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group alignfull has-subtle-background-background-color has-background\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading alignfull has-text-align-center has-subtle-background-background-color has-background\">Impressionen aus drei Studienprojekten der Angewandten Kulturwissenschaft<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">By Alexandra Schwell  <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group alignfull has-subtle-background-background-color has-background\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herzlich Willkommen! Auf diesen Seiten stellen sich drei Lehrforschungsprojekte der Studieng\u00e4nge der Angewandten Kulturwissenschaft an der Alpen-Adria-Universit\u00e4t Klagenfurt vor. In verschiedenen Seminaren haben wir uns aufgemacht, um unterschiedliche Grenzen zu untersuchen: die slowenisch-italienische, die slowenisch-kroatische und die slowenisch-\u00f6sterreichisch-ungarische Grenze. Wir waren nicht allein unterwegs, sondern stets unter der kundigen Leitung von <a href=\"https:\/\/isn2.zrc-sazu.si\/en\/sodelavci\/miha-kozorog-sl-0\">Dr. Miha Kozorog<\/a> vom Institut f\u00fcr Ethnologie und Kulturanthropologie der Universit\u00e4t Ljubljana.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei ging es uns nicht allein um die politischen Grenzen zwischen den L\u00e4ndern, die \u201eLinien im Sand\u201c, sondern um Grenzziehungsprozesse verschiedenster Art: die Grenzen, denen wir auf der Spur waren, sind nicht allein L\u00e4ndergrenzen, sondern zugleich Wohlstands-, Sprach-, Systemgrenzen, Grenzen, die auf historische Prozesse und Ereignisse verweisen, Grenzen innerhalb von und zwischen St\u00e4dten, Grenzen im l\u00e4ndlichen Bereich, ihre Auswirkungen auf nicht-menschliche Akteure sowie Mensch-Tier-Beziehungen oder ihre Repr\u00e4sentation im musealen Kontext. Die Texte von Studierenden auf diesen Seiten zeugen von der gro\u00dfen Bandbreite unserer Erkundungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn jede Grenze ist anders, jede erz\u00e4hlt eine Geschichte. Und nicht jede Grenze ist auch als solche erkennbar. Wer an Grenzen denkt, dem kommen h\u00f6chst unterschiedliche Bilder in den Sinn: von Z\u00e4unen, Fl\u00fcssen, Kontrollen und Warnschildern. Dies kommt nicht von ungef\u00e4hr, denn unsere kollektive Vorstellung von Grenzen ist nationalstaatlich gepr\u00e4gt. Diese Grenzen sind die metaphorischen und vielbesungenen \u201eLines in the Sand\u201c, deren Macht und Persistenz regelrecht \u00fcbernat\u00fcrlich erscheinen (Parker\/Vaughan-Williams 2009: 582). Grenzen sind auf eine schwer fassbare Weise ehrfurchtgebietend; dabei sind sie allein auf menschliche Handlungen zur\u00fcckzuf\u00fchren \u2013 bei keiner Grenze hat eine h\u00f6here Macht hat ihre Finger im Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So wie Linien im Sand mit der n\u00e4chsten Welle weggewaschen werden k\u00f6nnen und lediglich die Erinnerung zur\u00fccklassen, so sind auch die massivsten Grenzen nicht f\u00fcr die Ewigkeit errichtet, sondern immer potenziell auf Zeit angelegt; auch die dauerhaftesten unter ihnen unterliegen Ver\u00e4nderungen. Sie werden mit unterschiedlichen Bedeutungen aufgeladen, \u00e4ndern Materialit\u00e4t und Erscheinungsbild und machen selbst dann noch einen Eindruck, wenn sie bereits lange verschwunden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grenzen hinterlassen und sind zugleich selbst Spuren des Vergangenen. Grenzen als Spuren zu begreifen, bedeutet, eine zeitliche Dimension zur r\u00e4umlichen hinzuzuziehen. Als \u201eTraces\u201c verweisen sie auf ein gr\u00f6\u00dferes Gewesenes. Diese Bedeutung erlangen sie aber erst in der Gegenwart; hier werden sie durch Geschichten zur Geschichte. Storytelling, Mythen und Narrationen interpretieren Grenzen in zeitlicher Perspektive und ver\u00e4ndern sie zugleich. Als \u201eTidemarks\u201c \u2013 Flut- oder Gezeitenmarken \u2013 weisen sie nicht allein in die Vergangenheit, sondern projizieren vor diesem Hintergrund eine Zukunft: sie verweisen auf M\u00f6glichkeitshorizonte oder erinnern an das, was bereits war, jedoch so oder anders wiederkehren k\u00f6nnte (Green 2009, 2019).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sozialanthropologin Sarah Green argumentiert mit Verweis auf Derridas Konzept der Arche-Spur, dass Grenzen Spuren von Entit\u00e4ten enthielten, die nie existiert h\u00e4tten. Eine dieser Entit\u00e4ten sei das Konzept der Nation (Green 2019: 77). Damit ist selbstredend nicht gemeint, dass Nationen nicht existierten; als \u201evorgestellte Gemeinschaften\u201c (Anderson 1998) erweisen sie sich weiterhin als au\u00dferordentlich langlebig. Vielmehr verweist Green hier auf ein zentrales Muster des Nation-Buildings: In der Argumentation von Nationalisten m\u00fcssen Nationen schon immer da gewesen sein. Nationen wird eine ewige Existenz zugeschrieben und, so das Argument, der Nationalstaat gie\u00dfe sie nun in eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige territoriale und rechtlich verfasste Form. Grenzen zwischen Nationen \u2013 denn ohne Differenz w\u00e4re das Konzept nutzlos \u2013 realisieren in dieser Vorstellung eine angeblich schon immer existiert habende Ordnung und legitimieren Machtanspr\u00fcche und Homogenisierungsbestrebungen in der Gegenwart. Aus kulturanthropologischer Sicht verweisen dagegen Grenzen und Bordering-Prozesse auf die historische Kontingenz der Entstehung von Wirklichkeit.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grenzen machen Arbeit, ob sie nun verbinden oder trennen. Grenzschutz, Grenzbefestigung und Grenzkontrolle und ihre Repr\u00e4sentation durch Infrastrukturen oder auch Museen sind nur die augenf\u00e4lligsten staatlichen Ma\u00dfnahmen. Auch die Aufrechterhaltung der sozialen Grenze bedeutet Arbeit: Die \u201eBewachung\u201c ethnischer und sprachlicher <em>Boundaries<\/em> steht dem bewaffneten Grenzschutz in puncto Effektivit\u00e4t kaum etwas nach. Und so zeigte schon Fredrik Barth (1969) in seinem Klassiker \u201eEthnic Groups and Boundaries\u201c:               Ohne Grenzen keine ethnische Identit\u00e4t! Dass eine Grenze auch zur wirksamen Trennlinie wird, passiert nicht von heute auf morgen. Bis sich die v\u00f6lkerrechtliche Linie empirisch als wirkm\u00e4chtig erweist, kann viel Zeit vergehen. Gewohnheiten und mentale Geographien \u00e4ndern sich, und auch die Natur passt sich an. Territoriale Grenzen sind zwar spezielle Sicherheitszonen, manchmal sogar No-Go-Areas f\u00fcr Menschen, aber genau dieser Umstand sorgt daf\u00fcr, dass sie Flora und Fauna Raum bieten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr uns Menschen schlagen Grenzanlagen wie der Eiserne Vorhang eine unnat\u00fcrliche Schneise durch Wald und Flur in einer ansonsten harmonischen Landschaft. Eine solche Sichtweise \u00fcbersieht, dass \u201eLandschaften im Allgemeinen Ergebnisse einer unbeabsichtigten Gestaltung sind, das hei\u00dft, aus den sich \u00fcberlagernden welterzeugenden T\u00e4tigkeiten zahlreicher menschlicher wie nichtmenschlicher Akteure entstehen\u201c (Tsing 2018: 129). Daran anschlie\u00dfend sind Grenzen und Grenzr\u00e4ume \u201eDisruptions\u201c, St\u00f6rungen, in Tsings Sinne, die Transformationen initiieren und wiederum in einer langen Reihe von St\u00f6rungen stehen, also eine Geschichte haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus menschlicher Perspektive mag gewaltsam eine Wunde in die Natur geschlagen worden sein, die sich nun nach dem Ende des Eisernen Vorhangs schlie\u00dft. Aber wie so h\u00e4ufig ist es eher eine Frage der Perspektive: Statt von \u201eHeilung\u201c und einer R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t zu sprechen, lohnt es sich, den Blick darauf zu richten, wie unterschiedlichste Akteure auf diese \u201eSt\u00f6rung\u201c reagieren: Tierische und pflanzliche Waldbewohner, wie Wildschweine, Rehe, B\u00e4ume und Str\u00e4ucher, haben sich an die menschengemachten Ver\u00e4nderungen angepasst und gestalten den Lebensraum Wald auf ihre ganz eigene Weise (Kozorog 2019).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so zeigen sich uns Grenzen als zutiefst ambivalent. Sie verbinden und trennen, sie er\u00f6ffnen Lebensr\u00e4ume und t\u00f6ten. Um es mit Spandau Ballet zu sagen: \u201eIt&#8217;s a terrible beauty we&#8217;ve made\u201c (1986).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bibliographie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anderson, Benedict (1998): Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts. Berlin: Ullstein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Barth, Fredrik (1969): Ethnic Groups and Boundaries. The Social Organization of Culture Difference. Bergen; London: Allen &amp; Unwin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Green, Sarah (2009): Lines, Traces and Tidemarks: reflections on forms of borderli-ness. EastBordNet. COST Action IS0803 Working Paper 1.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Green, Sarah (2019): Lines, Traces, and Tidemarks: Further Reflections on Forms of the Border. In: Demetriou, Olga\/Dimova, Rozita (Hg.): The political materialities of borders: New theoretical directions. Manchester: Manchester University Press, 67\u201383.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kozorog, Miha (2019): \u201eThey Feed Here and Live There\u201c: Borderwork with Wildlife in Slovenia\u2019s North-East Corner. In: <em>Traditiones<\/em>, 48 (1), 191\u2013211. DOI: 10.3986\/Traditio2019480108<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Parker, Noel\/Vaughan-Williams (2009): Lines in the Sand? Towards an Agenda for Critical Border Studies. In: <em>Geopolitics<\/em> 14 (3), 582\u2013587. DOI: 10.1080\/14650040903081297<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Spandau Ballet (1986): Through the Barricades. In: Through the Barricades. CBS.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tsing, Anna Lowenhaupt (2018): Der Pilz am Ende der Welt: \u00dcber das Leben in den Ruinen des Kapitalismus. Berlin: Matthes &amp; Seitz Berlin.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group alignfull has-background-background-color has-background\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns alignwide is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-buttons alignfull is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button has-custom-width wp-block-button__width-75 is-style-outline is-style-outline--1\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/ontheborder.aau.at\/?page_id=293\">Nova Goriza \/ Gorizia<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button has-custom-width wp-block-button__width-75 is-style-outline is-style-outline--2\"><a class=\"wp-block-button__link has-accent-color has-text-color has-link-color wp-element-button\" href=\"https:\/\/ontheborder.aau.at\/?page_id=374\" rel=\"https:\/\/ontheborder.aau.at\/?page_id=374\">Bistrica \/ Kumrovec<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button has-custom-width wp-block-button__width-75 is-style-outline is-style-outline--3\"><a class=\"wp-block-button__link has-accent-color has-text-color has-link-color wp-element-button\" href=\"https:\/\/ontheborder.aau.at\/?page_id=373\">Gori\u010dko<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kulturanalytische Betrachtungen von Grenzregionen Impressionen aus drei Studienprojekten der Angewandten Kulturwissenschaft By Alexandra Schwell Herzlich Willkommen! 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